Justus von Liebig: chemische Briefe

Vierundzwanzigster Brief


Es giebt kaum ein augenfälligeres Beispiel für den Unterschied unserer jetzigen und früheren Methode der Untersuchung und Beweisführung in dem Gebiete der Naturerscheinungen, als die sogenannte Selbstverbrennung des menschlichen Körpers, welche als Thatsache in der Medicin anerkannt und als würdige Aufgabe für die Erklärung wissenschaftlicher Aerzte angesehen worden ist.
Vor mehr als 100 Jahren (1725) fand man die Ueberreste der Frau eines Einwohners von Rheims, Namens M i l l e t, verbrannt in der Küche, anderthalb Fuss von dem offenen Kamine entfernt. Von dem Körper war nichts übrig als einige Theile des Kopfes, der Beine und der Wirbelbeine. Millet hatte eine hübsche Magd, es erhob sich der Verdacht gegen ihn, er sei der Mörder seiner Frau und es wurde eine Criminaluntersuchung gegen ihn eingeleitet, aber unterrichtete Experten erkannten eine menschliche Selbstverbrennung und Millet wurde als unschuldig freigesprochen. Dies ist der erste oder einer der ersten Fälle dieser sogenannten Selbstverbrennung. Wie man leicht bemerkt, entstand die Idee der Selbstverbrennung zu einer Zeit, wo man über das Wesen und die Ursache der Verbrennung eine ganz falsche Vorstellung hatte. Was bei einer Verbrennung überhaupt vorgeht, ist erst seit 80 Jahren (seit L a v o i s i e r), und welche Bedingungen sich vereinigen müssen, damit ein Körper fortbrenne, dies ist erst seit 40 Jahren (D a v y) ermittelt.
Seit diesem Falle sind, bis zu unserer Zeit, 45 bis 48 Fälle vorgekommen, die sich in der grossen Mehrzahl in Folgendem gleichen; 1) sie ereigneten sich im Winter; 2) an Brauntweinsäufern im Zustand der Trunkenheit; 3) in Ländern, wo die Zimmer durch offene Kamine und Kohlpfannen geheizt werden, in England, Frankreich und Italien. In Russland und Deutschland, wo das Heizen mittelst Oefen geschieht, sind Todesfälle, die man zu den Selbstverbrennungen rechnet, ausserordentlich selten; 4) es ist zugeständlich niemals Jemand während der Verbrennung zugegen gewesen; 5) keiner von den Aerzten, welche die Fälle gesammelt und eine Erklärung derselben versucht haben, hat den Vorgang und was der Verbrennung vorausging beobachtet; 6) wieviel Brennmaterial vorhanden war, ist ebenfalls unbekannt geblieben; 7) eben so wie viel Zeit verflossen war, wo die Verbrennung begann bis zu dem Augenblick, wo man den verbrannten Körper fand.
Die Beschreibungen der Todesfälle durch Selbstverbrennung, welche in das vorige Jahrhundert zurückreichen, sind nicht durch gebildete Aerzte verbürgt, sie gehen von ununterrichteten, in der Beobachtung nicht geübten Personen aus und tragen den Stempel der Unglaubwürdigkeit in sich selbst; in der Regel wird darin angegeben, dass der Körper bis auf einen Fettfleck im Zimmer und einige Knochenreste ganz verschwindet. Dass dies unmöglich ist weiss Jedermann, das kleinste Knochenstückchen wird im Feuer weiss und nimmt an Umfang etwas ab, aber es bleiben nach der Verbrennung 60 bis 64 Procent davon, gewöhnlich mit Beibehaltung der ursprünglichen Gestalt, zurück.
In äusserst wenigen Fällen (Dr. Franck, der eine der letzten Schriften über Selbstverbrennung publicirt hat, führt nur drei an) ist es unbekannt geblieben, ob Feuer von ausserhalb, ein Funke, ein brennendes Licht, eine glühende Kohle die Entzündung bewirkt habe.
Die ausgezeichnetsten und gelehrtesten Aerzte (D u p u y t r e n, B r e s c h e t) und Professoren der gerichtlichen Medicin (D e v e r g i e) halten alle Fälle, bei denen angenommen wird, der Körper habe von selbst, ohne äussere Ursachen (ein Licht, eine glühende Kohle, ein Funke) angefangen zu brennen und habe fortgebrannt, für unglaubhaft, unerwiesen und unwahrscheinlich. Dr. F r a n c k (Encyclop. W.-Buch, Berlin, 1843) scheidet von 45 Fällen, die er gesammelt hat, drei Fälle aus, bei denen er dies annimmt.
Eine nähere Betrachtung des wichtigsten unter diesen drei Fällen wird zeigen, was davon zu halten ist; er wird erzählt von B a t t a g l i a, einem Chirurgen in Ponto Bosio (ein Chirurg im Jahr 1787 in Italien ist etwa einem sogenannten Bader gleichzusetzen).
Ein Priester Namens B e r t h o l i geht auf den Markt in Filetto um Geschäfte daselbst zu besorgen, er übernachtet bei einem seiner dort wohnenden Schwäger; in seinem Zimmer lässt er sich ein Sacktuch zwischen Schulter und Hemd legen und nachdem er allein war, begiebt er sich an das Lesen seines Gebetbuches. Einige Minuten darauf hört man ein ungewöhnliches Geräusch in dessen Zimmer, man hört ihn schreien und es finden ihn die herbeieilenden Leute ausgestreckt auf dem Boden liegen und umgeben von einer leichten Flamme, die sich mit der Annäherung der Leute entfernt und zuletzt verschwindet.
Es fand sich die äussere Haut des rechten Armes und der Fläche von den Schultern abwärts bis zu den Lenden von dem Fleische abgelöst. Die Schultern, welche von dem Sacktuch geschützt waren, waren nicht verletzt, das Sacktuch selbst zeigte keine Spur von Brand, an allen beschädigten Theilen war das Hemd verzehrt, und überall, wo die Kleidungsstücke nicht verbrannten, war auch unterhalb kein Brand zu bemerken, die Unterhosen so wie die Beine waren nicht vom Brande verletzt
Dr. M a r c (Dictionn. des Sc. médic. Tom. VI. S. 85) legt diesem Fall eine besondere Wichtigkeit bei und sagt, dass derselbe über die Ursache der Erscheinung der Selbstverbrennung überhaupt Licht verbreite und glaubt, dass diese in der Elektricität gesucht werden müsse.
Dieser Fall ist eine Hauptstütze für die Ansicht, dass eine von selbst entstehende Verbrennung möglich sei, und es hat sich an denselben die Idee eines ganz eigenthümlichen Feuers geknüpft, welches die thierische Substanz verbrenne, ohne die ringsumgebenden verbrennlichen Substanzen zu entzünden. Weder M a r c noch F r a n c k, welche diesen Fall von den andern Fallen trennen, erwähnen aber, was gewissenhaftere und genauere Referenten (D e v e r g i e und M u n k e) anführen, dass sich in dem Zimmer des Priesters vor der Verbrennung eine mit Oel gefüllte Lampe befunden habe, welche nach dem Ereigniss leer und deren Docht völlig zu Asche verbrannt war.
Wenn man in Betrachtung zieht, dass nur da der Körper verbrannte, wo das Hemd verbrannt war, dass alle übrigen Theile, wo dies nicht geschah, auch keine Brandspuren zeigten, dass ferner die Haut gar nicht verbrannt oder verkohlt, sondern nur abgelöst (sie hing in Fetzen herab) vom Körper war, während das Hemd völlig verbrannt und in Asche verwandelt war, so ist es völlig unmöglich anzunehmen, die Entzündung und Verbrennung des Hemdes sei durch die Haut verursacht worden, die doch selbst nicht brannte, und es bleibt keine andere Erklärung möglich als die, dass das Hemd Feuer gefangen habe und die Brandwunden des Körpers eine Folge von dessen sehr oberflächlicher Verbrennung gewesen seien. Das Vorhandensein der Oellampe, welche, wie das verzehrte Oel zeigt, gebrannt hat, entfernt jeden Zweifel über die Ursache der Entstehung des Feuers.
Was die Eigenthümlichkeit betrifft, die zuweilen bei den Fällen von sogenannter Selbstverbrennung nach dem Ereigniss beobachtet worden sind, dass nämlich sonst leicht verbrennliche Gegenstände in der Nähe des verbrennenden Körpers nicht Feuer fingen, woraus man eine ganz eigne Art von Feuer, verschieden vom gewöhnlichen Feuer, erschloss, so giebt der Bericht B a t t a g l i a ' s in dem eben erwähnten Fall ein sprechendes Beispiel davon ab. Er erzählt nämlich, dass das Priesterkäppchen B e r t h o l i ' s völlig verzehrt worden sei ohne im Mindesten die Haare zu versengen, er sagt, dass er diese Thatsache als ganz gewiss und ganz bestimmt verbürge. Wenn man annimmt, dass der Priester das Käppchen auf dem Kopfe hatte, was der Berichterstatter offenbar voraussetzt (denn hätte das Käppchen auf einem Stuhle gelegen und wäre da verbrannt, so hatte das Nichtversengen der Haare seine Verwunderung sicher nicht erweckt), so ist dies gewiss ein zufälliger Umstand, aus welchem kein Mensch schliessen wird, dass es ein ganz besonderes Feuer war, was das Käppchen verzehrte; in welchem Zustand der Gesundheit oder des Krankseins der Priester auch gewesen sein mag, sicher ist dass das Käppchen diesen Zustand nicht theilte, es war nicht krank und in ihm selbst keine Ursache, um von selbst in Flammen auszubrechen, und in der Flamme kein Feuer, verschieden von allen Feuern, wodurch Haare verbrennen.
Es dürfte dieses eine Beispiel hinreichen, um die Unglaubwürdigkeit der drei vereinzelten Fälle, die sich übrigens blos auf Männer, nicht auf Weiber beziehen, von denen angenommen wird, dass eine Verbrennung statt hatte, ohne dass Feuer in der Umgebung sich befand, darzuthun *).
Die Annahme einer Selbstentzündung und einer Verbrennung in Folge derselben widerspricht so sehr den bekannten Gesetzen der Verbrennung überhaupt, und der bekannten Beschaffenheit des menschlichen Körpers, dass die Naturwissenschaft bis jetzt gar keine Notiz von den Angaben und ihrer Erklärung genommen hat.
Was die andern 45 oder 48 vorgekommenen Todesfälle durch sogenannte Selbstverbrennung betrifft, so wird von den Schriftstellern, die sich damit beschäftigt haben, nicht vorausgesetzt, dass die Personen, welche dadurch ihr Leben verloren, von selbst sich entzündet hätten und in Flammen aufgegangen und verbrannt seien, sondern sie räumen ein, dass eine äussere Ursache, nämlich Feuer, vorhanden gewesen sei; sie nehmen an, dass der Körper durch dieses Feuer angegangen, d.h. in Entzündung gerathen sei, dass er aber alsdann fortgebrannt habe, ohne dass Feuer von aussen fortgefahren habe auf den Körper zu wirken. Sie geben zu, dass der menschliche Körper an sich schwer verbrennlich sei, dass aber das Fleisch, die Haut und alle seine übrigen Theile in Folge von krankhaften Zuständen, bedingt durch Branntweingenuss oder andere Ursachen, verbrennlicher werden könne, nicht etwa so verbrennlich wie ein Scheit Holz, was brennend auf den Boden gelegt, nicht fortfährt zu brennen, sondern wie ein angezündetes Bündel Stroh oder ein Talglicht, die, einmal angesteckt, fortfahren zu brennen, bis nichts mehr oder nur Asche oder Kohle übrig ist.
Wenn vor 125 Jahren Jemand die Meinung ausgesprochen hat, dass Menschen in der eben beschriebenen Weise verbrennen können, und wenn von dieser Zeit bis zu uns in 48 ähnlichen Todesfällen dieselbe Meinung ausgesprochen worden ist, so ist dies nicht der geringste Beweis für die Wahrheit dieser Meinung.
Es giebt historische Beweise für ein Ereigniss, dass z. B. Jemand in dieser Stadt, an dem Tag und zu der Stunde todt und verbrannt gefunden worden ist, es giebt aber keine historischen Beweise für die Wahrheit der Meinung, dass die Person von selbst verbrannt sei, auch giebt es keine historischen Beweise für die Wahrheit der Meinung, dass es einen krankhaften Zustand des menschlichen Körpers gäbe, in Folge von welchem derselbe die Verbrennlichkeit von einem Bündel Stroh erlangt.
Um eine solche Meinung für wahr anzuerkennen, müssen vor Allem die Gründe, worauf sie sich stützt, als wahr und unzweifelhaft erkannt und die Thatsachen genau ermittelt sein, an die sich die Gründe knüpfen.
Um die erstere Meinung zu beweisen, muss nicht blos die Möglichkeit bewiesen werden, dass ein Stück Fleisch in dem angegebenen Grade verbrennlich werden kann, sondern es muss bewiesen werden, dass eine solche Verbrennung von dem Fleische aus stattgefunden hat; was die andere Meinung betrifft, so muss dargethan werden, dass ein krankhafter Zustand, wie er vorausgesetzt wird, wirklich besteht, und dass die Personen, welche verbrannt sind, sich in diesem krankhaften Zustand wirklich befunden haben.
Alles dieses ist nicht geschehen. Keiner von allen denen, welche Anhänger der Selbstverbrennungstheorie sind, oder die als Schriftsteller sich bemüht haben diese Theorie ihrer Wissenschaft zu erhalten und zu stützen, hat sich jemals mit Versuchen beschäftigt, um sich über das Verhalten thierischer Materien im Feuer zu unterrichten; **) keiner von ihnen hat jemals in seinem Leben einen Krankheitszustand beobachtet, durch welchen der lebendige oder todte Körper leicht- oder schnellverbrennlich wird; keiner vermag die Zeichen anzugeben, an denen man einen solchen Zustand erkennt.
Die Anhänger der Selbstverbrennungstheorie sagen, dass mit allem dem, was die heutige Naturforschung wisse, die Möglichkeit der Selbstentzündung und die Wirklichkeit der Selbstverbrennung bei lebenden oder todten Menschen nicht widerlegt sei; wie die Selbstverbrennung vor sich gehe, dies zu erklären sei nicht ihre Sache, sie behaupteten ja blos, dass sie statt habe; dafür sprächen in den vorgekommenen Todesfällen ganz unzweideutige Thatsachen; wie viele Naturerscheinungen giebt es, so sagen sie, welche die Naturwissenschaft noch nicht erklären kann, ohne dass diese Erscheinungen deshalb aufhören wahr zu sein. Wie viele unbekannte Kräfte mag es noch geben, von denen die heutige Chemie noch keine Ahnung hat? und ist es recht oder billig, oder nur anständig, das Zeugniss so vieler Männer, die sich für die Selbstverbrennung ausgesprochen haben, geradezu zu verwerfen und sie in die Classe der Lügner und Dummköpfe zu versetzen, blos deshalb, weil man ihre Meinung nicht theilt?
Alles dies sind keine Gründe, geeignet um eine Ansicht zu rechtfertigen, denn mit solchen Einwürfen lässt sich jede Art von Behauptung vertheidigen, welche dem gesunden Menschenverstande widerspricht, sie passen auf alle. Diese Männer vergessen ganz, dass Niemand die Wahrheit der Todesfälle durch Verbrennung bezweifelt, so wenig wie sich die Wirklichkeit einer Menge nicht erklärter Erscheinungen bezweifeln lässt; diese Thatsache steht fest, aber ihre Erklärung steht nicht fest. Was jene behaupten, ist ja die Thatsache nicht; diese Thatsache, der Vorfall ist und bleibt wahr auch ohne ihre Behauptung; aber nicht, dass sich der Todesfall in der von ihnen erdachten Weise ereignet habe und nur in dieser Weise erklären liesse. Es ist also ganz falsch, wenn sie sagen, dass sie den Fall nicht erklären wollten, denn sie erklären ihn wirklich, indem sie behaupten, der Körper sei von selbst, ohne äusseres Zuthun, durch eine in ihm selbst liegende Ursache verbrennlich geworden und verbrannt; um aber diese Erklärung einzusehen oder wahr zu finden, muss man doch offenbar nach den Gründen fragen, worauf sie sich stützt, und wenn sich herausstellt, dass gar keine Gründe dafür bestehen, oder dass die, welche angeführt werden, falsch sind, d. h. bekannten, ausgemachten Wahrheiten widersprechen, so kann man doch ihre Erklärung, wie und auf welche Art ein Mensch von selbst verbrennen könne, nicht für wahr halten!
Wenn ein Arzt erklärt, dass ein Mensch durch Erstickung oder an einer Lungenentzündung gestorben sei, so setzt dies voraus, dass er bekannt ist mit dem Vorgang oder der Krankheit, die dem Tode vorausgegangen ist, oder er muss nach dem Tode die Zeichen der Erstickung oder nach dem Oeffnen der Leiche die Merkzeichen einer Lungenentzündung erkannt und wahrgenommen haben; wenn ihm dieses Alles unbekannt geblieben ist, so ist es auch für den geschicktesten Mann ganz unmöglich eine Meinung über die Ursache des Todes auszusprechen.
Die Meinung, dass ein Mensch von selbst verbrennen könne, stützt sich nicht auf die Bekanntschaft mit dem Vorgang, sondern auf das Gegentheil von Bekanntschaft, auf die Unbekanntschaft mit allen den Ursachen oder Bedingungen, welche der Verbrennung vorhergegangen sind und die sie bewirkt haben.
Angenommen, es sei ein Mann plötzlich gestorben und eine Menge Umstände wiesen darauf hin, dass er vergiftet worden sei; eine Expertise, Leichenöffnung, chemische Untersuchung werde angeordnet, aber es finde sich kein Zeichen von Vergiftung vor, das Gift könne nicht nachgewiesen werden. Wenn nun - darauf gestützt, dass es vor 100 und mehr Jahren ein Gift gegeben habe, aqua Tofana, mit welchem viele Menschen ermordet worden seien, ein Gift, welches sich aller Nachforschung entzieht und den Tod bewirkt ohne Spuren von seiner Wirkung zu hinterlassen, - die Experten die Erklärung gäben, dass die Abwesenheit aller Zeichen der Ursache des Todes darauf hinweise, dass der Tod durch dieses italienische Gift herbeigeführt worden sei, was würde in diesem Fall ein verständiger Mann zu einem solchen Ausspruch sagen? was dazu, wenn auf die Frage, was denn die aqua Tofana wäre, die Antwort fiele, dies wisse man nicht, wie es noch Vieles gebe, was man nicht wisse, ohne dass deshalb die aqua Tofana zu bezweifeln sei.
Ganz in die Lage dieser Experten versetzen sich die Personen, welche die Todesart der Selbstverbrennung annehmen. Man findet in einem Zimmer eine Frau, einen Mann todt und verbrannt. Die Experten werden aufgefordert ihr Gutachten über den Vorgang abzugeben, sind aber nicht im Stande nachzuweisen, auf welche Weise der Brand entstanden, wie er sich auf den Körper fortgepflanzt habe; auch können sie sich über den Grad der Verbrennung oder der Zerstörung des Körpers keine Rechenschaft geben, und da seit mehr als 100 Jahren Fälle ganz ähnlicher Art vorgekommen sind, bei denen als wahr angenommen worden ist, die Verbrennung sei von selbst entstanden oder der Körper sei durch eine äussere Ursache entzündet worden und habe dann von selbst fortgebrannt, so zählen sie den vorliegenden Fall unter die andern bekannten Fälle und erklären ihn, wie man diese erklärt hat.
Weil es ihnen nicht gelang, Beweise aufzufinden, dass der Tod durch äussere Ursachen bewirkt und die Zerstörung des Körpers durch Brennmaterial von Aussen herbeigeführt worden sei; aus der Unbekanntschaft mit dem, was dem Tode vorhergegangen ist, erschliessen sie eine positive Ursache, für deren Bestehen alle Beweise fehlen, welche nicht allein im höchsten Grade zweifelhaft ist, sondern die auch den bekanntesten Gesetzen der Verbrennung und Verbrennlichkeit animalischer Körper widerspricht.
Um ein Ereigniss zu erklären, welches man nicht versteht, wird demnach eine Ursache zu Hülfe genommen, die man selbst nicht versteht. Anstatt also einfach zu sagen, der vorliegende Fall sei wegen Mangel an genügenden Anhaltepunkten nicht erklärbar, behaupten sie, dieser Mangel sei ein Beweis, dass Selbstverbrennung stattgefunden habe, die sie aus Mangel an genügenden Anhaltepunkten nicht zu erklären vermöchten, welche aber dennoch wahr sei, weil seit 100 und mehr Jahren ähnliche Fälle auf gleiche Weise erklärt worden seien.
Das Ungenügende und die Unrichtigkeit dieses Schlusses bedarf kaum näher hervorgehoben zu werden.
Die Schriftsteller, welche die Meinung, dass die Selbstverbrennung existire und angenommen werden müsse, ausgesprochen haben und vertheidigen, sind nicht Personen, welche durch ihren Stand oder ihre Beschäftigung in die Lage versetzt sind, die Wirkungen des Feuers auf thierische Körper genau kennen zu lernen, wie Köche oder Köchinnen z. B., sondern es sind in der Regel Leute, die sie durchaus nicht zu sehen oder zu beobachten Gelegenheit hatten.
Die Gründe, die sie anführen, werden gegen alle Regeln der Beweisführung aus dem Falle selbst genommen; der Tod und die Zerstörung des Körpers, dessen Ursache zu beweisen ist, wird als Beweis dafür angeführt, dass die erdachte Ursache wahr sei.
Daraus, dass die Selbstverbrennung existire, werden die vorgekommenen Fälle erklärt, und dieselben zu erklärenden Fälle werden als Beweise für die Existenz der Selbstverbrennung angeführt.
Als ein anderer Hauptgrund für die Selbstverbrennung wird angeführt, dass in der Mehrzahl der vorgekommenen Fälle die Zerstörung des Körpers durch Feuer in einem Grade stattgefunden habe, dass sich nicht annehmen lasse, es sei so viel Brennmaterial ausserhalb vorhanden gewesen, um sie zu bewerkstelligen, gerade deshalb müsse eine innere Ursache im Körper mitgewirkt haben, d. h. der Körper müsse das Feuer durch seine eigne Masse genährt haben.
Was das Brennmaterial betrifft, von welchem angenommen wird, dass es in unzureichender Menge vorhanden gewesen sei, so ist dies eine sehr unsichere Voraussetzung; denn das Feuer als die Ursache des Todes, oder der Verbrennung, hat das Eigne, dass es den Stoff, der es nährt, verzehrt, so dass also letzterer nicht, wie ein Messer, womit ein Mensch getödtet worden ist, ungeändert zurückbleibt.
Es ist also unmöglich, nach der Verbrennung zu beurtheilen, wie viel Brennmaterial vor derselben vorhanden war, denn das, was übrig davon blieb, ist nur ein Theil vom Ganzen, was gewirkt hat, und gerade der Theil verschwindet, indem er sich verzehrt, der die Wirkung hervorbringt.
Was die Schriftsteller betrifft, welche die Selbstverbrennung vertheidigen, oder die Gewissenhaftigkeit und Zuverlässigkeit ihrer Angaben, so muss vor allem Andern ihre Urtheilsfähigkeit in's Auge gefasst werden Die Urtheilsfähigkeit setzt als nothwendige Vorbedingung voraus, dass sie die erforderlichen Kenntnisse dazu haben; sie müssen wissen, was eine Verbrennung überhaupt ist und was dabei vor sich geht, dann, dass sie Fälle der Verbrennung beobachtet, und wirklich den aufrichtigen Vorsatz haben, den Vorgang und Alles auszumitteln, was dazu dienen kann, um das Ereigniss zu erklären, ohne alle vorgefasste Meinung.
Wenn man nach diesem Massstab die Glaubwürdigkeit der Schriftsteller über Selbstverbrennung beurtheilt, so bleibt von Allem was sie behaupten und meinen, Nichts weiter übrig, als die Erzählung eines Todesfalls oder einer Anzahl von Todesfällen durch Verbrennung. Ich habe bereits erwähnt, dass keiner derselben dem Vorgang einer solchen Verbrennung beigewohnt hat, sie nehmen die Fälle, die sie erzählen, entweder aus unverbürgten Zeitungsnotizen, oder sie erzählen sie andern Erzählern nach, die ebenfalls keinen dieser Fälle beobachtet haben; alle ohne Ausnahme nehmen die Meinung, dass die Selbstverbrennung existire, als wahr an; was sie beschäftigt, ist nicht zu prüfen, sondern zu zeigen, wie das Ereigniss vor sich ging, das sie natürlich nicht gesehen haben.
An diesen Gründen erkennt man deutlich, auf welcher Stufe der Ausbildung diese Männer stehen und wie wenig sie geeignet sind, ein gültiges Urtheil über diese Vorgänge auszusprechen. In der Regel werden von ihnen die von Andern erzählten, in der Art, wie sie sich ereigneten, unverbürgten Fälle benutzt, um eine von ihnen erfundene Theorie zu stützen; das, was in den Erzählungen für die Theorie spricht, wird hervorgehoben und alles Andere was sie bestreitet oder widerlegt, wird entweder gar nicht angeführt oder als untergeordnet bezeichnet; sie sind nicht Erforscher der Existenz und der Wahrheit der Selbstverbrennung, sondern Advocaten für die Meinung der Selbstverbrennung.
Man kann sich nicht darüber wundern, dass es vor 50 oder 100 Jahren ausgezeichnete Aerzte gab, welche an die Selbstverbrennung des menschlichen Körpers glaubten und sie vertheidigten, zu einer Zeit, wo man das Wesen und die Natur der Verbrennung überhaupt nur unvollkommen kannte; aber die heutigen schriftstellernden Verbreiter dieser Ansicht sind in ihrer Mehrzahl Männer, deren Berechtigung zur Beurtheilung, deren Urtheilsfähigkeit, Beobachtungsgabe oder die hierzu nöthigen Kenntnisse durch gediegene Arbeiten oder Untersuchungen in ihrer Wissenschaft keineswegs bethätigt sind, deren Namen man nur kennt, weil sie als Vertheidiger derselben aufgetreten sind.
Die Bestimmtheit, mit welcher in vielen Werken über gerichtliche Medicin die bekannt gewordenen Falle nacherzählt und die verschiedenen Theorien der Selbstverbrennung auseinander gesetzt werden, hat den grossen Nachtheil herbei geführt, dass eine Menge unterrichtete praktische Aerzte, gegen ihre bessere Ueberzeugung, die Selbstverbrennung als solche gelten lassen, und dass sie den Angaben und Ansichten nicht widersprechen, um nicht als Ketzer angesehen zu werden.
Es ist Jedermann einleuchtend: wenn heutzutage ein Mensch beschuldigt wird, einen andern durch Gift ermordet zu haben, so muss vor Allem das Gift aufgefunden und bewiesen werden, dass der Beschuldigte dieses Gift zur Ausführung seines Verbrechens gebraucht hat. In Zeiten, wo man die Mittel, um die Gifte mit der grössten Sicherheit zu entdecken, noch nicht kannte, wurde zur Entdeckung die Folter gebraucht. Es ist kaum nöthig daran zu erinnern, dass dieses Werkzeug dahin geführt hat, dass Tausende von Menschen bekannten, dass sie zaubern und hexen könnten. Die Scheiterhaufen für Zauberer und Hexen existiren jetzt nicht mehr, nicht deshalb weil der Beweis geführt ist, dass es keine Hexen giebt, sondern weil eine erleuchtete Naturerkenntniss dahin gelangt ist, unzweifelhaft darzuthun, dass Alles, was man diesen Unglücklichen Schuld gab, nicht dem Teufel, sondern natürlichen Ursachen zugeschrieben werden muss. Diese Tausende wurden auf das Schaffot gebracht durch die Advocaten der Meinung, dass die Zauberei und Hexerei möglich sei und wirklich existire; indem man später nach den Gründen fragte und alle Thatsachen, auf die sie gestützt waren, gewissenhaft und genau prüfte und untersuchte, da ergab sich, dass Alles, was dafür zu sprechen schien, auf falschen Wahrnehmungen, falschen Erklärungen, auf Irrthum oder Lüge beruhte.
Ganz so verhält es sich mit den anderen aus der Erfahrung oder aus der Wissenschaft zusammengesuchten Gründen, mit denen die Vertheidiger der Selbstverbrennung ihre Theorie zu stützen und den Vorgang anschaulich zu machen oder zu beweisen sich bemühen. Die aus der Erfahrung entnommenen Gründe sind zum Theil wahr, aber sie passen für die Fälle nicht. Die aus der Wissenschaft genommenen, sogenannten theoretischen Gründe sind ohne Ausnahme falsch und erklären die Fälle auch nicht.
Da hat z. B. ein Metzger in Neuburg vor 99 Jahren einen Ochsen gehabt, der krank und sehr angeschwollen war; er öffnete den Ochsen und es strömte aus dem Bauch eine brennbare Luft, die sich anzünden liess und mit einer 5 Fuss hohen Flamme brannte. Dieselbe Erscheinung beobachtete M o r t o n an einem todten Schweine, R u y s c h und B a i l l y an menschlichen Leichnamen, welche durch Luftentwickelung ganz ungewöhnlich aufgeschwollen waren.
Auf diese Thatsachen gestützt nehmen die Vertheidiger der Selbstverbrennung an, dass sich in dem Körper des Menschen durch Krankheit ein Zustand erzeugen könne, in welchem er ein brennbares Gas entwickeln, welches im Zellgewebe sich ansammle und durch eine äussere Ursache oder einen elektrischen Funken entzündet, die Verbrennung desselben bewirke. Man bemerkt leicht, dass der Schluss und die Thatsachen, auf die er sich stützt, in keinem Zusammenhange stehen.
1) Hat man Gasentwickelung im Zellgewebe nur in Leichnamen und zwar nur in sehr aufgetriebenen und angeschwollenen Leichen wahrgenommen; sodann ist das Gas nicht durch die Haut entwichen, sondern es musste ein Schnitt in Haut und Zellgewebe gemacht werden; zuletzt hat zwar das Gas gebrannt, der todte Körper wurde aber davon nicht angesteckt, er wurde dadurch nicht selbstverbrennlich und ist nicht verbrannt
2) Hat man an den durch Selbstverbrennung Umgekommenen niemals einen durch Luftarten, die sich im Zellgewebe befanden, aufgetriebenen Zustand wahrgenommen, sondern sie waren vollkommen gesund.
Die völlige Unhaltbarkeit dieser Erklärung ist demnach augenfällig
Ein Anderer nimmt an, dass sich in gewissen Krankheitszuständen ein Gas, Phosphorwasserstoff, erzeuge, welches sich an der Luft von selbst entzünde und dass diesem ungemein verbrennlichen und entzündlichen Körper die Selbstentzündlichkeit und Leichtverbrennlichkeit des Körpers zugeschrieben werden müsse.
Es giebt in der That einen Phosphorwasserstoff, welcher sich in der Luft von selbst entzündet, aber dieses Gas verliert diese Eigenschaft durch minutenlange Berührung mit Gyps, Holzkohle, Papier, Terpentinöl, und was seine Gegenwart im menschlichen Körper betrifft, so ist niemals eine solche Verbindung weder im gesunden, noch kranken Zustande, noch an Leichen bei ihrer Fäulniss beobachtet worden, und was noch mehr ist, der menschliche Körper enthält keinen Phosphor in einem solchen Zustande, dass sich durch irgend einen Process, im Leben oder Tode, Phosphorwasserstoff bilden könnte.
Die Thatsache der Existenz von Phosphorwasserstoff ist nicht zu bezweifeln, aber seine Bildung und sein Vorhandensein im menschlichen Körper ist völlig unwahr, keine Erfahrung spricht für die Möglichkeit seiner Bildung. Das Phosphorwasserstoffgas ist zuletzt im hohen Grade giftig, so giftig wie Arsenik, und seine Gegenwart im Blute eines lebenden Körpers vollkommen unverträglich mit dieser Eigenschaft.
Andere wieder schreiben die Leichtverbrennlichkeit des menschlichen Körpers einem ungewöhnlichen Fettgehalte oder dem Umstande zu, dass derselbe in Folge von Branntweingenuss wie getränkt sei mit Spiritus, und deshalb brenne wie ein Licht oder eine Weingeistlampe, wenn derselbe von Aussen angesteckt werde.
Diese Ansicht beruht auf einer unrichtigen Auffassung der Verbrennlichkeit oder der Unbekannntschaft mit den Bedingungen des Verbrennens.
Man kann eine schwerverbrennliche Substanz nicht leichtverbrennlich machen durch eine leichtverbrennliche, sondern nur dadurch, dass man die Ursache entfernt, wodurch sie schwerverbrennlich wird, oder dadurch, dass man ihre Oberflächen und damit den Zutritt der Luft vergrössert, welche zur Verbrennung unumgänglich nöthig ist.
Wenn man einen gewöhnlichen Badeschwamm oder Papierschnitzel mit Branntwein oder starkem Weingeist tränkt und diesen anzündet, so wird der Badeschwamm und die Papierschnitzel damit nicht verbrennlicher, als sie an sich waren. Der Branntwein brennt ab und wenn er verbrannt ist, so entzünden sich vielleicht die Papierschnitzel, aber sie brennen jedenfalls nicht früher, als bis der Branntwein verbrannt ist, und nicht besser, als wie sie verbrennen würden, wenn sie nicht mit Branntwein befeuchtet worden wären. Der Badeschwamm brennt unter diesen Umständen nicht.
Eben so wenn man ein Stück Fleisch in siedendes Fett wirft und das Fett entzündet, so brennt das Fett, das Fleisch aber brennt nicht, und entzündet sich nicht, und fährt nicht fort zu brennen, auch wenn alles Fett verbrannt ist; es wird nicht leichtentzündlicher durch Fett.
Dass ein Bündel Stroh leicht verbrennt, weiss Jedermann; die Ursache der Leichtentzündlichkeit ist seine Lockerheit, weil jeder Halm mit Luft umgeben ist; wenn aber das Stroh zu Häcksel zerschnitten ist, so ist es schwerverbrennlich, ja man kann damit ein starkes Feuer löschen, wenn so viel Häcksel darauf geschüttet worden, dass der brennende Körper damit bedeckt wird; er hört auf zu brennen, weil durch die Häcksel der Zutritt der Luft abgeschnitten wird.
Giesst man auf einen Pudding Branntwein und zündet ihn an, so brennt der Branntwein, und wenn derselbe abgebrannt ist, so brennt der Pudding nicht.
Die lockere, leichtverbrennliche Baumwolle wird als Docht in einer Oellampe schwerverbrennlich, sie verkohlt und verbrennt nur da, wo die Luft Zutritt zum Dochte hat. Man kann aber Papier, Badeschwamm leichtentzündlich machen, wenn sie mit Salpeter getränkt und getrocknet werden, durch eine Substanz, welche an sich nicht verbrennlich ist; aber durch verbrennliche oder leicht brennbare Körper lässt sich dies nicht bewirken.
Die Gegenwart von Branntwein oder ein übermässiger Fettgehalt können dem menschlichen Körper eine Leichtverbrennlichkeit nicht geben, die er an sich nicht besitzt; um den Körper in einem solchen Zustande zu verbrennen, gehört stets Feuer von Aussen dazu, welches fortfährt auf den Körper zu wirken, wenn der Branntwein oder das Fett verzehrt sind.
Die trockene thierische Substanz ist an sich nicht schwerentzündlich, bis zum Verkohlungspunkte sogar leichtverbrennlich, wie man dies etwa an einem Stück Horn oder Hornspänen leicht sehen kann, sogar Knochen lassen sich durch ein kleines Feuer anzünden und brennen in Haufen von selbst fort, indem sie völlig weiss wie Kreide werden; das trockne, von seinem Wassergehalte grossentheils befreite Fleisch verhält sich dem Horn völlig gleich; auch die Gewebe und Membranen sind im Feuer leicht zerstörbar; alle diese Substanzen werden schwerverbrennlich durch ihren Wassergehalt, welcher im frischen Zustande im Fleisch und den weichen Körpertheilen 75 und im Blute 80 Procent beträgt. Das Wasser ist in diesen Theilen ähnlich wie in einem Schwamme enthalten, der sehr feine Poren hat; es kann bekanntlich in freier Luft, auch durch das heftigste Feuer, nicht über 100 ° oder seinen Siedepunkt hinaus erhitzt werden; dieser Temperaturgrad ist aber lange nicht hoch genug, um die thierische Substanz zu entflammen, selbst Fett bedarf dazu440 °, etwas mehr als die vierfache Temperatur des siedenden Wassers ***).
Alle Substanzen, deren Entzündungstemperatur höher liegt wie 100 °; werden schwerverbrennlich, wenn sie im porösen Zustande mit Wasser getränkt werden, denn solange Wasser zugegen ist, kann selbst bei heftigem Feuer der brennbare Körper nicht brennen; erst dann, wenn das Wasser verdampft ist, steigt seine Temperatur höher, und bei seiner Entzündungstemperatur bricht er in Flamme aus ****).
Man wird hiernach leicht verstehen, warum auch der Fettgehalt den Körper nicht leichtverbrennlich macht, denn so lange der Körper Wasser enthält, entzündet sich das Fett nicht, weil es einen höheren Hitzgrad braucht; es schmilzt und fliesst aus, und wenn die dem Feuer ausgesetzten Theile des Körpers ihr Wasser durch Verdampfen verloren haben, so würden sich diese Theile entzünden und in Flammen ausbrechen, auch wenn kein Fett zugegen wäre. Die Gegenwart des Fettes macht, da es ebenfalls brennt, die Flamme grösser, aber den brennenden Körper nicht schneller verbrennlich. Schnell verbrennlich kann man den Körper nur machen durch Zusatz von sauerstoffreichen Materien; durch Behandlung mit Salpetersäure werden bekanntlich Baumwolle, Leinwand etc. so ausnehmend schnell entzündlich und verbrennlich, dass man sie statt Schiesspulver brauchen kann.
Dass das Fett eines dem Feuer ausgesetzten thierischen Körpers, wenn es in das Feuer hineinfliesst und brennt, zur weiteren Zerstörung des Körpers beitragen kann, um dies einzusehen, dazu bedarf es keiner besonderen Theorie, denn die Flamme vom brennenden Fett wirkt ganz ähnlich wie die vom brennenden Spiritus, und dass man mit letzterer dieselbe Wirkung hervorbringen kann wie mit Holz, dies ist Jedermann bekannt.
In einem lebendigen Körper setzt sich dem Anzünden und Brennen desselben ein Umstand entgegen, der in einer Leiche fehlt, dies ist die Blutcirculation. In einem Stücke Fleisch, auf welches Feuer einwirkt, bleibt die Flüssigkeit, mit welcher es getränkt ist, an ihrem Platz, bis sie verdampft; aber in einem lebenden Körper fliesst durch alle, auch seine feinsten Theilchen ein Blutstrom, welcher macht, dass die von Aussen erhitzten flüssigen Theile unaufhörlich hinwegbewegt und durch weniger erhitzte verdrängt werden. Ist die Einwirkung des Feuers von Aussen sehr heftig, so tritt von dem Blute aus eine Gegenwirkung ein, welche in einem Ausfliessen von Wasser nach der stark erhitzten Stelle hin besteht; die Haut löst sich ab, es entsteht eine mit Wasser gefüllte Blase, sogenannte Brandblase. So lange dieser Blutstrom dauert, kann wohl der Körper durch äussere Hitze verletzt werden; aber er kann nicht brennen und nicht eher verbrannt oder verkohlt werden, als bis die Blutbewegung aufhört, d. h. wenn er todt ist*****).
Eine Selbstverbrennung bei lebendigem Leibe ist deshalb geradezu unmöglich; selbst der so ausserordentlich verbrennliche Phosphor verliert, unter gleichen Umständen, seine Verbrennlichkeit, wenn derselbe, wie dies in den Zündhölzerfabriken geschieht, in feinzertheiltem Zustande mit Wassertheilchen umgeben ist.
Dass der Fettgehalt oder ein Branntweingehalt nicht die Ursache der Leichtverbrennlichkeit oder Leichtentzündlichkeit ist, geht zuletzt daraus aufs Schlagendste hervor, dass Hunderte von fetten, mästigen Branntweintrinkern nicht verbrennen, wenn sie durch Zufall oder Absicht einem Feuer zu nahe kommen, ja mit Gewissheit lässt sich voraussetzen, dass, so lange der Blutumlauf dauert, ihr Körper nicht in Flammen aufgehen würde, selbst wenn sie ihre Hand bis zur Verkohlung ins Feuer halten würden.
Die allermerkwürdigste Ansicht setzt voraus, dass die Selbstverbrennung bewirkt werde durch Elektricität oder durch einen elektrischen Funken. M u n c k e (weiland Professor der Physik in Heidelberg) sagt hierüber in G e h l e r s physical. Wörterbuch 10. Band, S.262: "Vor allen Dingen muss wohl bei diesen Erklärungen die Elektricität ganz aus dem Spiele bleiben, deren vermehrte Entbindung durch Nichts bedingt, vielmehr bei fehlender Isolirung ganz unmöglich ist, so wie ein eigentlicher zur Entzündung erforderlicher elektrischer Funke"; diese Ansicht gründet sich auf den Bericht eines Reisenden Namens B r y d o n e, welcher erzählt, ein Frauenzimmer gekannt zu haben, deren Haare durch Kämmen so elektrisch wurden, dass man Funken sah, so oft man sie kämmte; eine andere Thatsache ist die, dass ein Senator Namens D r a y t o n in den Vereinigten Staaten beim Ausziehen seiner Strümpfe, von Wolle und Seide, elektrische Funken wahrnahm. Diese Thatsachen sind an sich wahr, sie werden sogar täglich wahrgenommen, aber der Gebrauch, der von den Anhängern der Selbstverbrennung gemacht wird, erscheint zum Mindesten abgeschmackt, denn die Eigenschaft der Haare oder Seide, durch Reiben elektrisch zu werden, gehört nicht dem menschlichen Körper, sondern einer jeden Perrücke oder jedem Strumpfe an; die Elektricität kommt nicht aus dem Innern des Körpers hervor, denn das abgeschnittene Haar, oder der ausgezogene Strumpf besitzt sie ebenfalls; der Körper ist im Gegentheil das grösste Hinderniss für ihre Wahrnehmung und nur in seltenen Fällen ist die Haut so trocken und von der Beschaffenheit, dass die Haare oder die Seide beim Reiben elektrisch werden, obwohl sie die Haut berühren. Nie ist dieser Eigenschaft der Elektricitätsentwickelung an dem Körper eines Verbrannten, weder vor, noch nach dem Tode wahrgenommen, niemals ist mit einem solchen Funken das Haar, oder ein Strumpf oder die Bekleidung angezündet worden.
Die Meinungen und die Personen, welche die Selbstverbrennung als eine historische Wahrheit ansehen und vertheidigen, kann ich nicht besser charakterisiren, als wenn ich die Theorie eines der jüngsten Vertheidiger, F. J. A. S t r u b e l, hier anführe: Die Selbstverbrennung des menschlichen Körpers, mit besonderer Berücksichtigung ihrer medicinischrechtlichen Bedeutung. Eine unter Herrn Prof. Dr. J. W i l b r a n d, ord. öffentl. Lehrer der Staatsarzeneikunde zu Giessen, ausgearbeitete und der medicinischen Facultät der Universität Giessen vorgelegte Abhandlung. Giessen 1848."
Diese Theorie ist folgende:  Gestützt auf die Wahrnehmung des Reisenden B r y d o n e, sagt er: "Wird nämlich in einem menschlichen Körper die Elektricitätsentwickelung, durch welche Ursachen immer, so gesteigert oder die Elektricität so angehäuft oder condensirt, dass sie sich in elektrischen Funken nach Aussen entladet, so kann Selbstverbrennung eintreten und zwar aus folgenden Gründen: Die elektrischen, den Körper nach allen Richtungen durcheilenden Funken müssen nicht nur nach physikalischen Gesetzen das Wasser, das 4/5 vom Körper ausmacht, in grösserer oder geringerer Quantität zerlegen, sondern sie müssen auch die aus der Zerlegung hervorgehenden Elementarbestandtheile desselben, sein Wasser- und Sauerstoffgas, entzünden, mag dies, worüber die Physiker nicht einig sind, durch den mechanischen Druck der Elektricität, oder durch die chemische Wirkung bewirkt werden. Sauerstoffgas aber mit Wasserstoffgas zusammengebracht und entzündet, ein Verhältniss also, wie es sich in dem gegebenen Falle vorfindet, entwickelt den höchsten Wärmegrad, in dem der Diamant mit Leichtigkeit verflüchtet werden kann. Nach dieser Erklärungsart der Selbstverbrennung versteht sich das, was man seither für das Wunderbarste gehalten hat, ganz von selbst, nämlich die ausserordentliche Schnelligkeit, die ausserordentliche Kürze der Zeit, in der sie von Statten geht, und man kann sich nur verwundern, wenn das Gegentheil stattfindet. Eben so würde man darnach erklärlich finden, wie das Fett des Körpers sich bei der Selbstverbrennung entzünden und fortbrennen könnte."
Diese Theorie ist ein Muster für alle. Der Urheber derselben hat auch nicht den entferntesten Begriff von den Gesetzen der Elektricitätserzeugung und Anhäufung, von den Bedingungen der Funkenbildung und der Wasserzersetzung durch Elektricität. Es mag hier genügen zu bemerken: wenn die Elektricität das Wasser in seine Bestandtheile zerlegt, so entsteht kein Funke, und wenn ein Funke die Bestandtheile entzündet, so bildet sich Wasser und es kann keine Zerlegung in seine Bestandtheile statt haben. Aber auch angenommen, es geschehe ganz so, wie er voraussetzt, es werde das Wasser in seine Bestandtheile zerlegt, und diese, durch die zerlegende Ursache, wieder mit einander zu Wasser vereinigt, so würde der Körper durch die Entzündung der Bestandtheile des Wassers, in weniger als einer Secunde, wie eine mit Schiesspulver geladene Bombe in tausende von Theilchen mit einem Knalle zerplatzen und auseinander fahren müssen, und doch würde der Körper sich nicht entzünden können, trotz der hohen Temperatur, weil aller Sauerstoff von dem Wasserstoff sofort in Beschlag genommen wird, und kein frei gewordener Sauerstoff übrig bleibt, um den Körper zu verbrennen. Die beiden Wasserbestandtheile, in welche das Wasser durch einen elektrischen Strom zerlegt wird, bilden nämlich gemengt die sogenannte Knallluft, im hohen Grade ausgezeichnet durch die Eigenschaft, beim Anzünden mit einem heftigen Knall zu verbrennen. Füllt man eine Kugel von Papier oder eine Schweinsblase mit dieser Knallluft an, so zerplatzt sie beim Anzünden mittelst eines Funkens mit einem Knalle gleich einem Kanonenschuss, aber die Blase, das Papier entzünden sich dabei nicht und verbrennen nicht.
Was die ausserordentliche Schnelligkeit betrifft, die man bei den genannten Selbstverbrennungen voraussetzt, so ist dies eine blosse Erfindung; denn in den Fällen, in welchen menschliche Körper todt und verbrannt gefunden worden sind, weiss man über den Verlauf der Verbrennung nicht das Allergeringste.
Dasselbe gilt für die Beschaffenheit der Flamme, welche selbst durch Wasser nicht löschbar sein soll. Alle Beweise für diese Eigenthümlichkeiten (Schnelligkeit der Verbrennung und Nichtlöschbarkeit) stützen sich auf einen einzigen Fall, den nicht ein Arzt, auch nicht ein Chirurg oder Bader, sondern ein Pfarrer B o i n e a u erzählt hat. Es war eine 80 jährige Frau, die nichts mehr trank als Branntwein; sie fing an zu brennen, auf einem Sessel sitzend, und verbrannte, obwohl man reichlich Wasser auf sie goss, bis alles Fleisch am Körper verzehrt war, es blieb nur das Skelet, im Sessel sitzend zurück. Der Fall ist in einem Schreiben vom 22. Februar 1749 erzählt und ist demnach gerade 116 Jahre alt; der Erzähler wohnte der Verbrennung nicht bei und sah die Flamme nicht, und es ist wohl in der Erzählung seine gute Absicht nicht verkennbar, seinen Beichtkindern einen heilsamen Schrecken vor dem Branntweintrinken einzujagen; daraus erklärt sich die Aehnlichkeit des Feuers der verbrennenden Branntweintrinkerin mit dem höllischen Feuer; der Stuhl, der nicht gesündigt hatte, verbrannte natürlich nicht, er war auf seiner Oberfläche nur etwas versengt.
Die Idee der Schnelligkeit der Verbrennung in den anderen vierzig oder fünfzig Fallen und die auch in diesen angenommene Eigenthümlichkeit des Feuers, mit dem sie brennen, bezieht sich auf diesen Fall allein, denn in den anderen fand man die Personen todt und verbrannt, die man fünf, sechs oder zwölf Stunden vorher lebend verlassen hatte. Weiter weiss man nichts davon.
Der schlagendste Beweis der Unbekanntschaft mit den gewöhnlichen Verbrennungsgesetzen und der Unfähigkeit, die vorkommenden Fälle der sogenannten Selbstverbrennung zu beurtheilen, ergiebt sich vorzüglich daraus, dass die Vertheidiger derselben auf unbedeutende Umstände, welche gar nicht in Betracht kommen, das grösste Gewicht legen, während die wichtigsten als gar nicht existirend von ihnen angesehen werden. Dies ist namentlich der Fall mit dem Dampf, Rauch und Geruch, der die Räume erfüllt, in denen man Verbrannte findet, und dem schmierigen, braunen fettigen Absatz, mit welchem man Möbel, Fensterscheiben, Spiegel überzogen findet. Dies wird von ihnen als eine besondere Eigenthümlichkeit und als ein Merkzeichen der Selbstverbrennung angesehen. Dieser Absatz oder Ueberzug besteht, wie Jedermann weiss, aus festen brennbaren Theilen und aus flüssigen Producten, welche durch die Wirkung des Feuers auf animalische und vegetabilische Materien (z. B. auf Fleisch, Blut und Papier etc.) gebildet werden, natürlich nur in dem Fall, wenn diese nicht brennen; denn diese flüssigen und festen Producte sind an sich leicht brennbar, und ihr Nichtbrennen rührt stets von einem Mangel an Sauerstoff und dem zu ihrer Entzündung nöthigen, aber fehlenden Wärmegrade her. Die festen Theile im Rauch heissen im Allgemeinen Russ, die flüssigen Producte führen den Namen Theer. Der Absatz auf den Scheiben und Möbeln ist ein dünner Niederschlag von Theer und Russ, er fühlt sich, wie diese, fettig an und hat ganz die Beschaffenheit von dem Ueberzug, der sich im Anfang in den Kammern bildet, in denen man Fleisch räuchert, und der das Fleisch selbst überzieht. Mit ein wenig Glanzruss, den man in Wasser auflöst, kann man Glas und Holz ganz denselben Ueberzug geben, nur sieht man da die Pinselstriche, die man nicht bemerkt, wenn sich diese Producte durch Abkühlung aus der Luft auf Gegenstände gleichförmig absetzen. Unter den Producten, welche animalische Substanzen liefern, befindet sich noch eine Schwefelverbindung (Schwefelammonium), welche Bleianstriche und Metallfarben braun färbt oder schwärzt.
Diese Producte bilden sich, wie gesagt, wenn Feuer auf verbrennliche Körper einwirkt, welche nicht brennen (wie in der Theerschwelerei oder trockenen Destillation) und sind ein unwidersprechlicher Beweis, dass die Theile, welche sie liefern, nicht gebrannt haben, denn hätten sie gebrannt, und wäre hinreichend Luft vorhanden gewesen, so würden sie verbrannt sein und es wäre nichts davon wahrnehmbar gewesen, es hätte sich kein Absatz auf Gläsern oder Möbeln gebildet.
Es liegt in der Natur der Sache, dass Jemand, welcher in seinem Leben zuweilen Rosenwasser gerochen hat, und der eine Erinnerung daran hat, wie es riecht, in vielen Fällen im Stande sein wird, Rosenwasser von kölnischem Wasser zu unterscheiden; dass es aber möglich ist, an dem Geruch, der ein Zimmer erfüllt, zu erkennen, ob es von einer Selbstverbrennung herrührt oder nicht, oder dass der Ueberzug auf Möbeln und Glas von einem von selbst verbrannten menschlichen Körper stammt, und nicht von Leder, (Ueberzügen von Etuis etc.), Papier, Holz, Haaren, Kleidern, welche alle mit verbrannt sind, und zwar ohne dass der Riechende jemals in einem gleichen Fall sein Geruchsorgan oder Gesicht mit der Eigenthümlichkeit dieser Gerüche oder Absätze bekannt gemacht und eine Erinnerung davon hat, dies geht über Alles, was man einem Verständigen zu glauben nur zumuthen kann. Es ist geradezu eine Beleidigung des gesunden Menschenverstandes.
Die Folgerungen, zu denen die Annahme der Selbstverbrennung geführt hat, stehen mit der Erfahrung in einem so entschiedenen Widerspruch, dass die Erklärung derselben von Seiten der Anhänger der Selbstverbrennungstheorie bei keinem ausgezeichneten, mit den Naturwissenschaften einigermassen vertrauten Arzte oder Naturforscher den mindesten Anklang gefunden hat. So lange die Heilkunde besteht, ist wohl noch kein Fall vorgekommen, wo ein Ehepaar neben einander in derselben Secunde an einer Lungenentzündung oder an einer anderen Krankheit erkrankt, wo in Beiden, Mann und Frau, die Krankheit in derselben Zeit verläuft und Beide in der nämlichen Secunde sterben. Wie viel unwahrscheinliche Voraussetzungen müssen in Beziehung auf das Befinden vor dem Erkranken gemacht werden, damit ein solches Ereigniss statt habe. Die Anhänger der Selbstverbrennung finden alles dies für die Krankheit oder den Zustand, welcher der Verbrennung vorhergeht, ganz in der Ordnung, denn sie erzählen einen Fall, wo ein Schneider, L a r i v i e r e, mit seiner Frau im Zustande der Berauschung, nachdem man sie Abends 7 Uhr verlassen hatte, den nächsten Morgen um 11 Uhr mit Ausnahme einiger Fragmente in eine formlose verkohlte Masse verwandelt gefunden wurden. Ein Mann, der ein solches Ereigniss einer Krankheitsursache zuschreiben kann, ist ganz geeignet, um ein Kameel zu verschlucken. Dass mehrere Menschen, die sich zugleich in einem Zimmer befinden, durch Kohlendunst zu gleicher Zeit ersticken, dies ist ein Fall, der leider nur zu häufig vorkommt.
Die Anhänger der Selbstverbrennung betrachten es als eine Eigenthümlichkeit derselben, dass man, wenn sie statt hat, niemals Hülferuf vernimmt, offenbar, weil sie todt sind, ehe sie verbrennen. Dies ist genau so, wie wenn man als eine Eigenthümlichkeit des Diebstahls durch Einbruch den Umstand bezeichnen wollte, dass die Hausbewohner, welche bestohlen werden, das Geräusch nicht hören, welches die Diebe machen, um in das Haus zu kommen. Ein solcher Diebstahl gelingt nur dann, wenn die Bewohner des Hauses das Geräusch nicht hören, z.B. abwesend sind, so wie ein Mensch natürlich nur dann zu Kohle und Asche verbrennen kann, wenn Niemand seinen Hülferuf hört; wären Leute in der Nähe und der Brennende im Stande zu schreien, so würde er nicht verbrennen.
Daraus, dass man keinen Hülferuf vernimmt, hat man geschlossen, dass der Tod nicht blos schnell, sondern auch schmerzlos sei, und man kann sich nur darüber wundern, dass man einen solchen angenehmen Tod guten Christen nicht gewünscht hat, da ja doch zuletzt Alle an einer Krankheit sterben müssen und die Selbstverbrennung eine ungewöhnliche, aber doch zuletzt eine Krankheit sein soll.
Um die Verbrennung eines Körpertheils zu erklären, wird natürlich immer angenommen, dass der Sitz der Krankheit in diesem Körpertheil gewesen sei. War der Bauch und die Eingeweide verbrannt, so war die Krankheit im Bauch, verbrannte der Kopf und Hals, so war sie im Kopf und Hals, oder in den Beinen und Armen, wenn diese verbrannten. Neben die Wirkung legt man immer die Ursache und das Vorhandensein der Ursache erklärt man in der Wirkung. Dies ist gegen alle Regeln der Logik.
Die Selbstverbrennungs-Theorie ist so elastisch, dass sie weit oder eng genommen werden kann, wie man es gerade braucht; war die Verbrennung stark, so war die Krankheit bedeutend, war die Verbrennung oberflächlich, so war es wie beim Schnupfen; zwei Quadratzoll Haut am Bein sind krank und stecken die Hosen in Brand, rings um die kranke Stelle ist die Haut gesund wie bei anderen Menschen. Brauchen die Erklärer Bewusstlosigkeit, so ist sie da, haben sie beim brennenden Kopf Selbstbewusstsein zu gewissen Handlungen nöthig, so ist es auch da. Ist es ermittelt, so weit eine menschliche Wahrheit ermittelt werden kann, dass die verbrannte Person niemals betrunken war und einen Abscheu vorm Branntwein hatte, so wird unterstellt, dass sie sich wahrscheinlich heimlich betrank. Man sieht, wie der Irrthum, und die Selbstverbrennungs-Theorie ist ein Irrthum, immer nur Verblendung, Widersprüche und neue Irrthümer gebiert. Es giebt nur einen Weg zur Wahrheit, den tausend krumme Wege durchkreuzen, an jedem der letzteren steht die Leichtgläubigkeit als Wegweiser. Die Wahrheit hat ihre Rechte, die sich ungestraft nicht verletzen lassen, sie hat ihre Merkzeichen, an denen sie jeder Unbefangene erkennt.
Warum ein Theil der in der Nähe verbrennender Körper befindlichen Kleider nicht verbrenne, dies erklärt sich aus diesem oder jenem Fall, sagen die Anhänger der Selbstverbrennung, es ist dies eine Eigenthümlichkeit dieses Phänomens, was beobachtet worden ist; und warum derselbe brennende Körper, der die Kleider nicht in Brand setzte, einen Secretär von Holz und ein Sopha anzündete - dies wird wieder aus anderen Fällen erklärt; oben an der Brust verbrannten die Kleider, und die Flammen des brennenden Körpers wirkten gleich anderen Flammen, unterhalb der Herzgrube brannten die Kleider nicht, daran sei die besondere Beschaffenheit der Flamme Schuld!!
Die allergeringsten und unbedeutendsten Einzelheiten bei solchen Ereignissen erklären zu wollen, ist für Jemanden, der nicht dabei gewesen ist, unmöglich und Rechenschaft davon zu verlangen geradezu thöricht, denn die Erklärung setzt ja voraus, dass man den Vorgang kennen soll, den man nicht kennt; viele dieser Einzelheiten hängen von einer Vereinigung von Umständen ab, welche sie nachher nicht mehr zusammen finden und die man gerade deshalb z u f ä l l i g nennt******).
Aus dem Vorstehenden wird man, wie ich glaube, den wahren Werth der Ansicht, so wie alle Fälle der sogenannten Selbstverbrennung zu beurtheilen vermögen und einsehen, warum die Wissenschaft von einer solchen Theorie, welcher alle und jede Grundlage fehlt, keine Notiz genommen hat.
Die innige Beziehung des Branntweintrinkens und der Todesfälle durch Feuer ist so handgreiflich und offenbar, dass kaum eine weitere Auseinandersetzung nöthig ist. Bei einem betrunkenen, der Ueberlegung beraubten und alles Urtheils über Gefahr und was damit zusammenhängt unfähigen Menschen darf man jede, auch die unwahrscheinlichste Handlung voraussetzen. Man kann sich denken, dass in diesem Zustand ein Mensch beim Zubettgehen und beim Lichtauslöschen Vorhang und Bett anzündet, dass er bei verschlossenem Kamine neben einem Kohlenbecken mit glühenden Kohlen im Winter sich zu Bett legt, oder in der Absicht, unter dem Bett einen Stiefelauszieher zu holen, das brennende Licht, was er benutzte um denselben zu finden, unter dem Bette stehen lässt. Unzählige, gleich wahrscheinliche Voraussetzungen geben dem Verstande hinlänglich Rechenschaft über Feuer, was in einem Raume ausbricht, in welchem sich Licht und ein Mensch befindet, und wenn sich dieser Mensch noch im Zustande der vollkommenen Betrunkenheit befindet, so ist durch diesen Umstand die Gefahr in dem nämlichen Verhältniss vergrössert, in welchem sich seine Zurechnungsfähigkeit vermindert, er ist einem Kinde gleich zu stellen, welches von der Wirkung des Feuers keinen Begriff hat. Vor einigen Jahren kroch ein solcher Unglücklicher im Winter, in der Nähe von Oxford, auf einen Kalkofen und verbrannte, von den Füssen aufwärts, auf eine schreckliche Weise. Dies ist der eigentliche Zusammenhang zwischen Branntwein und Verbrennen Was erzählt wird von Flammen, die aus dem Halse Betrunkener herausschlagen, ist Alles völlig unwahr, Niemand hat dergleichen Flammen je gesehen, immer hat es der Erzähler von einem anderen Erzähler gehört; richtig ist nur, dass mitleidige Strassenjungen besinnungslos betrunkenen, in Strassenecken liegenden Menschen, um den inneren Brand zu ersticken, wo zu Mistjauche besonders wirksam sein soll, dieses Arzeneimittel zuweilen applicirten.
Genaue, für diesen Zweck angestellte Versuche beweisen, dass Luft, welche bei der menschlichen Körperwärme mit Weingeistdampf ganz gesättigt ist, sich selbst unter diesen allergünstigen Verhältnissen nicht anzünden lässt, und nicht mit Flamme brennt.
Bei dem Ausbrechen eines Feuers oder eines Brandes in einem Zimmer oder Haus haben der Besitzer oder die Beamten der Versicherungsanstalten, in der Regel, das grösste Interesse, zu erfahren, wie das Feuer entstanden ist und wer es angelegt hat. In der Mehrzahl der Brandfälle wird dies nicht ermittelt, weil der es nicht sagt, der es aus Bosheit, und auch der nicht, der es aus Unvorsichtigkeit gethan hat. Wenn die Ursache des Brandes nicht ermittelbar ist, so wird dennoch Niemand glauben, das Feuer sei von selbst, ohne Zuthun eines Menschen entstanden, und wenn in einem solchen Zimmer sich eine verbrannte Katze befindet, so wird Niemand auf die Idee kommen, das Feuer sei durch die Selbstverbrennung der Katze ausgebrochen, und voraussetzen, weil die Katzenbälge durch Reiben mit der Hand zuweilen elektrische Funken geben, es gäbe eine Krankheit unter den Katzen, wodurch sie selbstverbrennlich werden. Und doch ist die Annahme einer solchen Krankheit nicht unwahrscheinlicher als bei den Menschen. Man kann hierauf einwenden, dass die Katzen keinen Branntwein trinken, aber die Anhänger der Selbstverbrennung nehmen ja an, dass häufig die Selbstentzündung bei Personen vorkomme, welche dem Brauntweingenuss nicht ergeben sind.
Indem man bei der Ausmittelung der Ursache eines Brandes die nähere Untersuchung an die Personen knüpft, welche Zutritt zu dem Orte hatten, wo der Brand entstand, gelingt es zuweilen, den absichtlichen oder unabsichtlichen Thäter auszumitteln. Die gerichtliche Medicin darf, selbst wenn die Selbstverbrennungs-Theorie wahr wäre, was sie nicht ist, in ein so einfaches und durch die Erfahrung gerechtfertigtes Verfahren nicht eher eingreifen, als bis alle anderen wahrscheinlichen Ursachen der Entstehung des Feuers ausgeschlossen sind, und wenn sie dies dennoch thut, so schliesst sie ihre Berechtigung aus und nimmt Theil an der Schuld des Thäters, sie nimmt die That in Schutz, indem sie die Untersuchung auf Abwege lenkt. Der Arzt, der in solchen Fällen zu einem Urtheil aufgefordert ist, kann nach Pflicht und Gewissen nur sagen, in welchem Zustande er die Leiche fand, ob die Verletzung durch das Feuer, vor oder nach dem Tode, stattgefunden, ob der Tod eine Folge des Feuers allein war, oder aber vor der Einwirkung des Feuers durch andere Ursachen (durch äussere Wunden, Strangulation, Schlag auf den Kopf etc.) herbeigeführt worden ist. In keinem Falle ist es ihm gestattet, etwas, was er nicht gesehen, durch Fälle zu erklären, die er ebenfalls nicht gesehen hat, oder durch eine Theorie, die ihm unerklärlich ist.


Fußnoten:

*)
Das zweite Beispiel, was angeführt worden ist, kann ein unterrichteter Mann eigentlich gar nicht nacherzählen, denn dem Individuum, an dem sich das Phänomen ereignete, brannten die Finger der rechten Hand, welche die Beinkleider und bei Berührung die Finger der linken Hand entzündeten; dieses Feuer brannte fort im Sand und konnte durch Wasser nicht gelöscht werden. - Der dritte Fall begegnete einem Geistlichen in Amerika: er fühlte im linken Bein ein Stechen, wie wenn ihm ein Haar ausgerissen worden sei, er sah an diesem Theil eine leichte kleine Flamme, welche, mit der Hand bedeckt, erlosch, und einen Brandfleck ¾ Zoll breit und 3 Zoll lang: auch hier waren die Kleider oberhalb der Stelle durchgebrannt, die Haut aber nicht verbrannt, es zeigte sich nicht einmal eine Blase, die Haut war wie abgeschabt, sehr trocken und dunkel gefärbt (O v e r t o n, American Journal 1835. Nov.). Bei Cigarrenrauchern mag dieser Fall von Selbstentzündung häufig vorkommen; so wie er erzählt ist, gleicht er einem amerikanischen Puff. Ueber den Fall der 17 jährigen Nätherin H e i n z in Hamburg sagt D e v e r g i e (Dict. d. Méd. et d. Ch. 375. Tom. V.): "der Verlauf der Heilung der verbrannten Stellen zerstört alle Voraussetzungen, die man in Beziehung auf Selbstentzündung machen könnte." Dr. F r a n c k sagt über denselben Fall (Encycl. Wört.-B. Bd. 31, S. 528), er sei mit K ü h n und D e v e r g i e der Meinung, dass die hysterische H e i n z den seel. F r i c k e täuschte, da bei der Verbrennung Niemand zugegen war. Der neueste in dem Journal des Débats vom 24. Febr. 1850 erzählte Fall ist eine sogenannte Zeitungsente, welche, wie man weiss, periodisch wiederkehren, gleich der grossen Seeschlange, welche so viele amerikanische Reisende und wahrheitsliebende Matrosen und Schiffscapitaine gesehen und beschrieben haben.

**)
J u l i a F o n t e n e l l e ist durch seine Versuche zu einer wesentlich verschiedenen Ansicht gekommen.

***)
Das flüssige Eiweiss hält Niemand für brennbar oder verbrennlich, weil Jedermann weiss, dass das Wasser, von welchem seine Flüssigkeit herrührt, nicht brennt und dass brennende Körper verlöschen, wenn man so viel Wasser darauf giesst, dass sie davon bedeckt werden. Das durch Hitze geronnene Eiweiss ist nicht brennbarer als das flüssige, denn es enthält überall fast denselben Wassergehalt wie dieses. In demselben oder einem sehr ähnlichen Zustande wie im geronnenen Eiweiss befindet sich aber das Wasser in den weichen Theilen des thierischen Körpers; sie verlieren durch den Wassergehalt ihre Entzündlichkeit und Verbrennlichkeit.
****)
Wenn man nasses Papier über eine brennende Weingeistlampe hält, so fängt das Papier nicht eher zu brennen an, als bis das darin enthaltene Wasser verdampft ist; der trocken gewordene Theil entzündet sich in der Weingeistflamme, das noch nasse Stück entzündet sich nicht, das Papier brennt nicht fort, weil die entwickelte Wärme des brennenden Theils nicht hinreicht, um in dem nächstliegenden nassen Theil das Wasser zu verdampfen, diesen zu trocknen und auf die Entzündungstemperatur zu erheben. Die erste und nothwendigste Bedingung des Brennens und Fortbrennens ist aber, dass der brennende Theil dem nächstliegenden nicht brennenden die zu dessen Entzündung nöthige Temperatur mittheilt.

*****)
Manche Anhänger der Selbstverbrennung geben zu, dass im gesunden Zustande ein lebendiger Körper nicht von selbst sich entzünden und fortbrennen könne, sie nehmen an, dass der Selbstverbrennung ein Krankheitszustand vorausgehe, in welchem, in der Form von Krankheitsproducten, Verbindungen gebildet werden von weit erhöhterer Entzündlichkeit und Verbrennlichkeit, als die Thierbestandtheile im normalen Zustande besitzen. Diese Voraussetzung ist natürlich eine blosse Erfindung, welche nicht einmal den Schatten einer Beobachtung für sich hat. Alle Stickstoffverbindungen bedürfen zur Entzündung und Verbrennung einer höheren Temperatur als zur Entzündung ihrer brennbarsten Elemente, des Kohlenstoffs und Wasserstoffs, erforderlich ist. Darin liegt gerade eine Eigenthümlichkeit dieser Verbindungen, dass sie durch den Stickstoffgehalt ihre Verbrennlichkeit zum grossen Theil einbüssen. Stickstoffhaltige Substanzen rechnet man dieses Verhaltens wegen nicht zu den Brennstoffen. Das Ammoniakgas, welches Stickstoff und Wasserstoff enthält, ist nicht mehr entzündlich, es lässt sich durch einen glühenden Körper nicht mehr entzünden und brennt nicht mit der Flamme fort. Selbst der Phosphor verliert im Phosphorstickstoff seine Verbrennlichkeit. Wir können uns keine Stickstoffverbindung denken, welche durch eine Umsetzung oder besondere Anordnung ihrer Theile verbrennlicher wird, als wie der Wasserstoff es ist, der zur Entzündung und Entflammung immer der Glühhitze bedarf.

Ein Mensch, welcher 120 Pfund wiegt, enthält in seinem Körper nahe an 90 Pfund Wasser. Denkt man sich diesen Wassergehalt in einen Kessel gebracht und seine übrigen Theile Knochen, Fleisch, Membranenblut etc. trocken unter diesem Kessel brennend, so reicht, auch wenn man annimmt, dass sich letztere anzünden liessen und fortbrennten wie Holz, die durch Verbrennung des (nicht in der Form von Ammoniak austretenden) Wasserstoffs und Kohlenstoffs entwickelte Wärme nicht hin, um alles Wasser im Kessel in Dampf zu verwandeln.

******)
Wenn Jemand z. B. einen Kreuzer in die Luft wirft, so kann es sich ereignen, dass der Kreuzer auf dem Boden des Zimmers in eine Spalte fällt, so dass er auf seiner scharfen Kante eingeklemmt und aufrecht steht. Wenn dieselbe Person denselben Kreuzer in dem nämlichen Zimmer hunderttausendmal in die Höhe wirft, so kann es sein, dass er nicht ein einziges mal wieder in eine Spalte und, selbst wenn dies millionenmal geschieht, an denselben Ort derselben Spalte fällt. Die Bedingungen, um dies zu bewerkstelligen, kann man auch mit dem besten Willen nicht zusammenbringen, der Kreuzer fällt daneben. Diese Art von Ereignissen schreibt man dem Zufall zu.