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Geschichte des Liebig-Laboratoriums in Gießen
von Günther Klaus Judel

Bau einer Kaserne

Die Geschichte begann, als dem Großherzoglichen Finanzminister die Unterbringung eines beschränkten Soldatenkontingents in Bürgerhäusern in Gießen zu teuer wurde. Sinnvoller erschien es ihm, auf dem Seltersberg oberhalb der Stadt, die damals knapp 5000 Einwohner hatte, eine Kaserne mit zwei Wachhäusern bauen zu lassen und damit Gießen zu einer Garnisonstadt zu machen. Mit dem Bau wurde im Jahre 1817 begonnen; die Soldaten des 3. Großherzoglichen Infanterie-Regiments konnten 1819 ihr neues Domizil beziehen.

Die Freude über die neue Unterkunft währte nur kurze Zeit, denn Gießen war eine Universitätsstadt und wurde verhältnismäßig stark durch die Aktivitäten ihrer Studenten geprägt. Diese stammten damals überwiegend aus vergleichsweise gut situierten Familien, weil das Studieren viel Geld kostete. Sie waren patriotisch gesinnt, vielfach in studentischen (schlagenden) Verbindungen organisiert und entsprechend stolz und etwas überheblich. Ebenso stolz und nach den Erfolgen der Freiheitskriege von sich überzeugt waren die Soldaten, vor allem die Unteroffiziere und die Offiziere des Regiments. Beide Personenkreise, die Soldaten ebenso wie die Studenten, neigten schon immer dazu, die eigene Bedeutung zu überschätzen.

Wer wem auf den schmalen Bürgersteigen auszuweichen hatte, war z.B. schon immer ein Problem in Gießen gewesen. Aus diesem und anderen Gründen kam es zwischen den Studenten und den neu hinzugezogenen Soldaten sehr bald und immer wieder zu Streitigkeiten und Rempeleien. Diese weiteten sich allmählich aus und führten schließlich am 4. März 1821 zu einer in der Presse als „Batzenskandal“ bezeichneten umfangreichen Schlägerei zwischen Soldaten der Garnison und einer größeren Anzahl von Studenten der Gießener Universität. Nur durch das Eingreifen der Gießener Polizei konnten die wütend aufeinander einschlagenden Parteien schließlich voneinander getrennt werden. Das hessische Kriegsministerium sah sich genötigt, die Soldaten bis auf ein kleines Restkommando nach Worms zu verlegen, um die jahrelange Konfrontation zu beenden.

  1. Bau einer Kaserne
  2. Liebig's Laboratorium
  3. Liebig's Nachfolger
  4. Interregnum
  5. Aufbau des Liebig-Museums
  6. Gute und schlechte Zeiten
  7. Wiederaufbau
  8. Fortschreiten und bewahren
  9. Das Museum als Anziehungspunkt