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Geschichte des Liebig-Laboratoriums in Gießen
von Günther Klaus Judel

Interregnum

Im selben Jahr fragte ein Anonymus (es war Heinrich Vaubel, Chemiker in Darmstadt, der als Student unter Prof. Naumann noch im Liebig-Labor gearbeitet hatte) in der Chemiker-Zeitung Nr. 101, 1898:„Was wird aus dem alten, auch in seinem schmucklosen Gewande ehrwürdigen Laboratorium von Justus von Liebig, der hier als erster in Deutschland einen für die damalige Zeit als Musterstätte geltenden Bau für den praktischen Unterricht in der Chemie schuf?.... Bei richtiger Ausführung ließe sich auch mit dem unscheinbaren Gebäude des Liebig-Laboratoriums eine effektvolle Wirkung erzielen.“

Der Geheime Medizinalrat Prof. Dr. Robert Sommer, Ordinarius für Psychiatrie und ein vielseitig interessierter Mann, griff diesen Gedanken auf und trat mit dem ganzen Elan seiner Persönlichkeit dafür ein. Er entwickelte Pläne für ein zukünftiges Museum und für die Ausgestaltung seiner Umgebung. Seine Vorstellungen veröffentlichte er mit erklärenden Skizzen im „Gießener Anzeiger“ vom 23. November 1898 und in der Chemiker-Zeitung, Band 23, No. 9, 1898.

Die hundertste Wiederkehr von Liebigs Geburtstag wurde 1903 in Darmstadt gebührend gefeiert. Bei dieser Gelegenheit waren es Prof. Dr. Jacob Volhard, ein Schüler Liebigs, Medizinalrat Dr. Emanuel August Merck, dessen Familie mit Liebig befreundet gewesen war und ihm viele Anregungen verdankte, und Geheimrat Nikodem Caro, ein Großindustrieller, die sich unüberhörbar für die Errichtung eines Liebig-Museums in Gießen einsetzten. Die Großherzogliche Regierung stand dem Plan mit Sympathie gegenüber und sagte ihre Unterstützung zu, im besonderen hinsichtlich des Erwerbs des Grundstückes.

In den Folgejahren warb Prof. Sommer durch Reden und Aufsätze in Zeitschriften für die Erhaltung des Liebig-Laboratoriums und dessen spätere Wiedereinrichtung als Museum. Unterstützt wurde er hierbei vor allem durch den Geheimen Medizinalrat Dr. E. A. Merck, Darmstadt. Nach einem werbenden Vortrag von Prof. Sommer im Dezember 1909 schlossen sich begeisterte Anhänger der Idee eines Liebig-Museums zu einem „Arbeitsausschuß zur Erhaltung des Gießener Liebig-Laboratoriums“ zusammen. Er bestand aus den Herren Prof. Dr. Jacob Volhard, Halle a.d. Saale, Dr. Emanuel A. Merck, Darmstadt, Prof. Dr. Robert Sommer, Gießen, Prof. Dr. Otto Behaghel, Gießen, Dr. Max Buchner, Mannheim, Direktor Fritz Lüty, Mannheim, Prof. Dr. G. Krause, Köthen, Dr. C. Thomae, Gießen und Oberbürgermeister A. Mecum, Gießen.

Der Arbeitsausschuß richtete umgehend an die Bürgermeisterei und die Stadtverordneten-Versammlung der Stadt Gießen das Gesuch, ihm die unteren Räume des Liebig-Laboratoriums zu vermieten. Auf dieses Gesuch hin hat die Stadtverordneten-Versammlung in einer geheimen Sitzung am 4. August 1910 beschlossen: 1. das Gesuch abzulehnen, 2. sich mit dem Verkauf des Laboratoriums für 60.000 Reichsmark einverstanden zu erklären, sofern noch im Laufe des Monats August (d.h. innerhalb von 27 Tagen) eine bindende Zusage vorliege. Dr. Emanuel A. Merck verbürgte sich für den Betrag und ermöglichtete dadurch den Erwerb des historischen Gebäudes.

  1. Bau einer Kaserne
  2. Liebig's Laboratorium
  3. Liebig's Nachfolger
  4. Interregnum
  5. Aufbau des Liebig-Museums
  6. Gute und schlechte Zeiten
  7. Wiederaufbau
  8. Fortschreiten und bewahren
  9. Das Museum als Anziehungspunkt