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Geschichte des Liebig-Laboratoriums in Gießen
von Günther Klaus Judel

Aufbau des Liebig-Museums

Ein erster öffentlicher Aufruf in Zeitungen und Zeitschriften erweckte allgemeines Interesse und erbrachte namhafte Spenden von Einzelpersonen und aus der Industrie. Im Oktober 1910 wurde die „Gesellschaft Liebig-Museum“ mit dem Sitz in Gießen gegründet. Satzungsgemäße Aufgabe war „Erhaltung, Erwerbung und Wiederherstellung des Liebig-Laboratoriums und die Errichtung eines Liebig-Museums in seinen Räumen“. Zum 1. Vorsitzenden wurde der Geheime Medizinalrat Dr. E. A. Merck und zum 2. Vorsitzenden der Geheime Medizinalrat Prof. Dr. Robert Sommer gewählt. Der damalige Großherzog Ernst Ludwig von Hessen übernahm das Protektorat.

In den Folgejahren schrieben Geheimrat Dr. Merck und Prof. Sommer viele Briefe an Persönlichkeiten aus Industrie und Wirtschaft, warben für den Wiederaufbau des Laboratoriums und baten um Zuwendungen. Der Erfolg blieb nicht aus: Die Spenden flossen reichlich und es wurde möglich, das Liebig-Laboratoriums wieder herzustellen: Die Mauern konnten restauriert, der Außenputz erneuert und das Dach neu eingedeckt werden.

Der erste Weltkrieg (1914-1918) hemmte alle Aktivitäten, brachte sie aber nicht vollends zum Erliegen: Im Innenbereich konnte nunmehr das meiste nach den alten noch erhaltenen Plänen rekonstruiert werden. Dabei reaktivierte man auch den inzwischen zugemauerten Kaliofen im Analytischen Labor. Ein großer Teil der Originalgeräte und -Möbel konnte wiedergefunden oder erworben werden. Andere wurden nach aufgefundenen Zeichnungen nachgebaut.

Ein besonders wertvoller Zuwachs waren zahlreiche Schriften, Bücher, Briefe und andere Gegenstände, die von Angehörigen der Familie Liebig, von Freunden und ehemaligen Schülern Liebigs geschenkt wurden. Auf diese Weise konnten die meisten Laboratorien, der Hörsal sowie Liebigs Arbeitszimmer und sein Privatlabor fast so eingerichtet werden, wie sie zur Zeit des Meisters waren. Die Krone auf die Restaurierungsbemühungen setzte der Geheime Medizinalrat Dr. Emanuel A. Merck, in dem er das von ihm 1910 erworbene Gebäude des Liebig-Laboratoriums im Jahre 1918 der Gesellschaft Liebig-Museum schenkte. Sie ist seither die Eigentümerin.

  1. Bau einer Kaserne
  2. Liebig's Laboratorium
  3. Liebig's Nachfolger
  4. Interregnum
  5. Aufbau des Liebig-Museums
  6. Gute und schlechte Zeiten
  7. Wiederaufbau
  8. Fortschreiten und bewahren
  9. Das Museum als Anziehungspunkt