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Geschichte des Liebig-Laboratoriums in Gießen
von Günther Klaus Judel

Liebig's Nachfolger

In den Folgejahren nutzte die Universität den Gesamtkomplex des Liebig-Laboratoriums ohne wesentliche Veränderungen weiterhin als Chemisches Institut. Sein Nachfolger wurde sein Schüler und Assistent Prof. Dr. Heinrich Will. Diesem folgte im Jahre 1882 Prof. Dr. Alexander Naumann. Für die schnell steigende Anzahl der Chemie-Studenten war das Liebig-Laboratorium allmählich sehr eng, ja zu eng geworden. Deshalb wurde an der Ludwigstraße neben dem Universitäts-Hauptgebäude ein neues Chemisches Institut gebaut, in das Prof. Naumann mit seinen Mitarbeitern im Herbst 1888 einziehen konnte.

Einen kleinen Teil des nunmehr frei gewordenen Liebig-Laboratoriums bezog das Physikalisch-Chemische (Elektrochemische) Institut der Universität. Der größere Teil der Räume diente als Lehrstätte für die neuen Fächer Bakteriologie und Hygiene. Ordinarius war hier der später berühmte Prof. Dr. Georg Gaffky, der am 1. Oktober 1888 den neugeschaffenen Lehrstuhl für Hygiene übernahm und 1904 als Nachfolger seines Lehrers Robert Koch nach Berlin ging. In seinen Gießener Jahren war er nicht nur ein angesehener Universitätslehrer, sondern er erwarb sich auch hohe Verdienste um die bauliche Entwicklung und sachgerechte Kanalisation des bis dahin recht „feuchten Nestes“ Gießen. Als Dank und Anerkennung seiner Leistungen erhielt er am 15. September 1904 den Ehrenbürgerbrief der Stadt Gießen.

Der ehemalige Hörsaal des Liebig-Laboratoriums fand in der Zeit von 1888 bis 1904 als Küche der benachbarten „Alten Klinik“ Verwendung.

Bei der Umwidmung der Labor-Gebäude im Jahre 1888 regte der hessische Großherzog Ernst-Ludwig an, alle aus Liebigs Zeiten stammenden Einrichtungsgegenstände wie Mobiliar, Geräte und Apparate sorgfältig aufzubewahren. Durch diese Maßnahme blieb der größte Teil der Einrichtung erhalten und konnte später im Museum wiederverwendet werden.

Auf Empfehlung von Prof. Gaffky wurde 1891 ein „Chemisches Untersuchungsamt für die Provinz Oberhessen“ ins Leben gerufen. Es hatte die Aufgabe, Lebensmittel, Getränke, Genußmittel und Dinge des täglichen Gebrauchs auf gesundheitliche und hygienische Unbedenklichkeit zu überprüfen. Für die Anfangszeit war es Prof. Gaffky unterstellt und hatte sein Domizil auch im gleichen Gebäude wie sein Hygiene-Institut, d. h. im ehemaligen Liebig-Laboratorium. Infolge seiner zahlreichen Aufgaben wurde das neue Untersuchungsamt schnell personell und flächenmäßig erweitert. Die Leitung wurde nun Dr. Traugott Günther (bis 1910) übertragen.

Das Liebig-Laboratorium war für die Bedürfnisse des Hygiene-Instituts und das schnell wachsende Untersuchungsamt allmählich zu klein geworden. Für Prof. Gaffky wurde ein neues Hygiene-Institut an der Frankfurterstraße (heute Nr. 89-91) errichtet, in das er im Frühjahr 1896 einziehen konnte. Auch das Chemische Untersuchungsamt zog aus und erhielt als neue Unterkunft das westliche Torhaus am Walltor.

Im gleichen Jahre verkaufte der hessische Staat das ganze Gelände der „Alten Klinik“ mit den beiden Wachhäusern an die Stadt Gießen. Das Liebig-Laboratorium wurde nun Prof. Elbs unterstellt, der dort sein physikalisch-chemisches Praktikum nebst Vorlesungen abhielt. Es war dies aber nur eine Übergangslösung, denn Prof. Elbs bezog 1898 mit seinen Mitarbeitern einen Neubau. Das Liebig-Laboratorium stand nun vorübergehend leer und die Stadt Gießen erwog ernsthaft, das stark renovierungsbedürftige Gebäude abzureißen.

  1. Bau einer Kaserne
  2. Liebig's Laboratorium
  3. Liebig's Nachfolger
  4. Interregnum
  5. Aufbau des Liebig-Museums
  6. Gute und schlechte Zeiten
  7. Wiederaufbau
  8. Fortschreiten und bewahren
  9. Das Museum als Anziehungspunkt