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(3) Magazin

 
 

Im Raum, in welchem die hergestellten Präparate und die Agenzien aufbewahrt wurden, der also Magazincharakter hatte, finden wir heute Exponate, die sich auf Liebigs Wirken als „Professor der Chemie in Gießen“ beziehen. Man sieht die Vorlesungsmitschriften der Schüler Kekulé und Thiersch, die „Anleitung zur Analyse Organischer Körper“, „Die Untersuchungen über das Radikal der Benzoesäure“ (Radikaltheorie), den von Liebigs bedeutendstem Schüler - A.W. Hofmann - herausgegebenen „Briefwechsel Wöhler-Liebig“ und eine neue Ausgabe von „Liebigs Experimentalvorlesung“, in welcher diese Veranstaltung in beispielhafter Weise aktualisiert wird.

Die Entwicklung und die Vervollkommnung der Lehrmethodik einerseits und die der Elementaranalyse andererseits waren die Arbeitsschwerpunkte in den ersten Gießener Jahren. (Viele sehen darin überhaupt Liebigs bedeutendste Leistungen.)

Auch der Kontakt mit Friedrich Wöhler begann in dieser Zeit. Den Anlaß bildete ein wissenschaftlicher Streit: Wöhler hatte die Cyansäure, Liebig die Knallsäure analysiert. Da die Analysenergebnisse für diese eindeutig verschiedenen Substanzen übereinstimmten, nahmen beide zunächst an, daß dem anderen ein Analysenfehler unterlaufen sein müsse. Der Streit wurde schließlich beigelegt - beide hatten richtig gearbeitet - die Isomerie war entdeckt. Wie dem Verzeichnis der Arbeitstitel zu entnehmen, haben die beiden kongenialen Männer in der Folge noch häufig in sehr fruchtbarer Weise zusammengearbeitet. Ihre persönlichen Beziehungen standen im Zeichen lebenslanger, treuer Freundschaft, was wohl in erster Linie den außerordentlichen menschlichen Qualitäten Wöhlers zuzuschreiben ist. Bezeichnend hierfür sind die von Wöhler an Liebig gerichteten Briefe, in welchen er seinen recht cholerischen Freund immer wieder ermahnt, seine Leidenschaft zu mäßigen, vom Streit mit dritten abzulassen und seinen Ausdruck zu mildern.

Das gute Beispiel gab Wöhler selbst, denn er vertrat seine Meinung stets mit ruhiger, niemals mit aggressiver Bestimmtheit.

Weiterhin wird der Beziehung Liebig zum Hause Merck-Darmstadt gedacht. Emanuel Merck - Apotheker in Darmstadt - begann auf Anraten Liebigs um 1830 mit der Herstellung hochreiner Pflanzenpräparate und wurde zum Gründer der heutigen Weltfirma. Sein Sohn Georg war Liebig-Schüler und isolierte 1848 das Papaverin, ein narkotisierendes, jedoch nicht suchterregendes Opiumalkaloid.

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Texte und Abbildungen stammen im wesentlichen aus:
Siegfried Heilenz: „Das Liebig-Museum in Gießen - Führer durch das Museum und ein Liebig-Porträt, aktuell kommentiert“, Verlag der Ferber'schen Universitätsbuchhandlung Gießen (2. Auflage 1988, ISBN 3-922730-66-3)
und sind hier mit freundlicher Genehmigung des Verlags wiedergegeben.

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