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(8) Pharmazeutisches Labor

 
 

Im Jahre 1839 erhielt Liebig einen Ruf nach St. Petersburg. Im Zuge der „Bleibeverhandlungen“ wurde ihm der 2. Erweiterungsbau zugestanden, mit welchem nicht nur die Laborfläche verdoppelt, sondern auch den sanitären Erfordernissen durch den Einbau zahlreicher Abzüge in zeitgemäßer Weise Rechnung getragen wurde.

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Das früher der Ausbildung von Apothekern dienende, pharmazeutische Labor entspricht heute nur in der Anordnung der beheizten Arbeitsplätze der Liebig-Zeit. Im Original waren sie gemauert und besaßen Abzugsaufbauten, die denen des analytischen Labors entsprachen. Die hier vorhandenen Labortische standen früher an anderem Platz, gehörten aber zum Institutsinventar. Originale sind auch die ausstehenden Gerätschaften, wie Retorten, Kolben, Stative, Gläser, Siebe usw.. Hochmodern waren damals die hydraulischen Pressen, die man für die Gewinnung von Preßsäften und zum Tablettieren gebrauchte.

Der Liebig-Kühler, den er zwar nicht erfand, aber in die Praxis einführte, wurde aus einem Standbehälter mit Kühlwasser gespeist, was - da der Kühlwasserstrom nicht unterbrochen werden durfte - einige Aufmerksamkeit erforderte. Die Einführung des Liebig-Kühlers ist ein bedeutender labortechnischer Fortschritt. Im Vergleich zur vorher üblichen Direktdestillation von der Retorte in das Vorlage-Gefäß ermöglicht er die erhöhte Ausbeute an Destillat, insbesondere bei Flüssigkeiten mit niedrigem Siedepunkt. Der Kohlensäure-Verflüssiger war eine besondere Errungenschaften des Liebig-Labors (1842 in Wien gekauft). Wöhler in Göttingen besaß ein solches Gerät nicht. Sein Bedarf wurde von Gießen aus gedeckt.

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Texte und Abbildungen stammen im wesentlichen aus:
Siegfried Heilenz: „Das Liebig-Museum in Gießen - Führer durch das Museum und ein Liebig-Porträt, aktuell kommentiert“, Verlag der Ferber'schen Universitätsbuchhandlung Gießen (2. Auflage 1988, ISBN 3-922730-66-3)
und sind hier mit freundlicher Genehmigung des Verlags wiedergegeben.

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