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(6) Privatlabor

 
 

Privatlabor und privates Schreibzimmer (Raum 7) stellen den 1833/34 errichteten ersten Erweiterungsbau dar. Dieser Anbau wurde veranlaßt durch Liebigs Ankündigung, Gießen verlassen zu wollen. Die in den vorhergehenden acht Jahren unter völlig unzureichenden, räumlichen Bedingungen geleistete, hochintensive Arbeit hatte ihn erschöpft. Er stand unmittelbar vor dem gesundheitlichen Zusammenbruch. Eine dramatischer Brief, an den Kanzler der Universität gerichtet, bewirkte die kategorisch geforderte Besserung.

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Liebig war mit dem Anbau offenbar sehr zufrieden. Es ist ein „ein wahrhaft süßes Arbeiten, reinlich, hell und mit allem Comfort versehen“, schrieb er an seinen Freund F. Wöhler. Einige Jahre später - ab 1837 - entstehen in diesen Räumen die „Agrikulturchemie“ und die „Tierchemie“.

Das Privatlabor enthält als bauliche Einrichtung einen Kohleherd mit Abzug. In die Wände eingelassene Fensterluken ermöglichen es - von hier und vom benachbarten Schreibzimmer aus - den Gang der Laborarbeiten zu verfolgen. Der Raum ist mit Liebigs Inventar aus der Gießener Zeit ausgestattet:
Schreibtisch mit Sessel, Döbereinersches Feuerzeug und die ebenfalls von Meister Hoss gefertigte Analysenwaage (Höchstlast 500 g, Genauigkeit plus minus 3 mg), die unter dem Namen „Braunsteinwaage“ eine gewisse Berühmtheit erlangte.

Die im Labortischaufbau vorhandenen Reagenzienflaschen sind noch mit den alten, dualistischen „Berzelius-Formeln“ beschriftet (z.B. FeO · SO3 statt FeSO4).

Ferner ist einer der von Liebig erfundenen und nach seiner Maßgabe gefertigten Silberspiegel der ersten Herstellungsserie ausgestellt. Spiegel dieser Art waren damals unverkäuflich, weil sie farbgetreu abbildeten. Die Mode verlangte ein bleiches, blasses Bild - vornehme Blässe! -, wie es von dem damals gebräuchlichen Quecksilberspiegel wiedergegeben wurde. Liebig entsprach später dieser Forderung, indem er statt des farblosen ein grüngefärbtes Deckglas verwendete. Ein solcher Silberspiegel mit einem dem Quecksilberspiegel ähnlichen Abbildungsverhalten befindet sich im privaten Schreibzimmer (Raum 7). Ein weiteres Beispiel für Liebigs Erfindertätigkeit sind die ausgestellten Siphons, die in der Drogerie seines Bruders verkauft wurden.

An der Wand sieht man Liebigs Doktordiplom und Bilder von Schülern sowie von Fachkollegen.

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Texte und Abbildungen stammen im wesentlichen aus:
Siegfried Heilenz: „Das Liebig-Museum in Gießen - Führer durch das Museum und ein Liebig-Porträt, aktuell kommentiert“, Verlag der Ferber'schen Universitätsbuchhandlung Gießen (2. Auflage 1988, ISBN 3-922730-66-3)
und sind hier mit freundlicher Genehmigung des Verlags wiedergegeben.

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